Brasilien bei der WM 2018

WM 2018: Brasilien überwindet Deutschland-Trauma – und ist plötzlich WM-Favorit

Teamgeist statt einzelner Stars bei der brasilianischen Nationalmannschaft. (Foto: imago/MIS)
Teamgeist statt einzelner Stars bei der brasilianischen Nationalmannschaft. (Foto: imago/MIS)

Deutschland gegen Brasilien: Um diese fußballerische Begegnung vor Augen zu führen, braucht es seit der WM 2014 nur zwei Zahlen: 1 zu 7. Die brasilianische Nationalmannschaft wurde gedemütigt, entwürdigt. Doch die Selecao hat sich erholt und ist nun einer der WM-Favoriten bei der WM 2018 in Russland.

Den 8. Juli 2014 wird wohl kaum ein Brasilianer vergessen. Erst recht nicht die damaligen Spieler der Seleçao.

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Die Schmach war groß, nachdem die deutsche Nationalmannschaft den fünfmaligen Weltmeister 7:1 demontierte. „Tor für Deutschland“, heißt seither in Brasilien ein Sprichwort, wenn etwas schiefgeht.

WM-Trauma ist noch nicht (ganz) vergessen

Dabei sind inzwischen fast vier Jahre vergangen – doch aus den Köpfen verschwunden ist die Blamage nicht. Das wird noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern, wie Nationaltrainer Tite jüngst im kicker meinte. Die WM 2018 in Russland kann helfen – kann.

„Das 7:1 ist ein Gespenst“, sagte er. „Es ist passiert und es ist weiter präsent, die Wunde ist noch immer offen.“ Der Coach war damals noch nicht im Amt, sondern verfolgte das Leiden seiner Landsleute vor dem Fernseher. Nun trainiert er die Seleçao – verhilft ihr zu neuem Glanz.

Vier Jahre danach: Die Seleçao lebt!

Auch, wenn die Schmach noch nicht vollkommen überwunden ist, auf dem Platz erinnert kaum mehr etwas an die Deklassierung. Heute ist die brasilianische Nationalmannschaft lebendig wie lange nicht. Mit vielen jungen, frischen Spielern – einigen, die bei internationalen Top-Klubs Verantwortung tragen, und anderen aufstrebenden Talenten.

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Das Resultat: Brasilien schlägt Deutschland in der ersten Begegnung seit dem 1:7 bravourös 1:0, präsentiert sich dabei selbstbewusst und clever. Doch was ist passiert in den vergangenen vier Jahren?

Junge Wilde in brasilianischer Nationalmannschaft

Viele der damaligen Stammspieler, zum Beispiel David Luiz, Luiz Gustavo, Dante, Hulk, Oscar haben inzwischen junge Konkurrenz bekommen oder sind bereits zurückgetreten.

Im Tor sorgt Roma-Keeper Alisson für Ordnung, davor haben sich neben den Routiniers Dani Alves, Marcelo oder João Miranda auch die jungen Wilden etabliert: Innenverteidiger Marquinhos (23) von PSG, Neymar-Kumpel Philippe Coutinho (25) vom FC Barcelona und Gabriel Jesus (21) von Manchester City.

Letzter zeigte sein Können auch im Test gegen das DFB-Team.

Vieles hängt von Neymar ab

Doch noch immer hängt Brasilien von einem Star ab: Neymar. Tites größte Aufgabe mit Blick auf die WM 2018 in Russland wird es deshalb sein, den Kader auf jeder einzelnen Position so stark zu machen, dass die brasilianische Nationalmannschaft auf den Wunderdribbler nicht zwingend angewiesen ist.

„Neymar ist unersetzlich“, meinte Tite während der Testspiele, sagte aber auch: „Aber wir lernen, auch ohne ihn stark zu sein und zu spielen.“

Sturmkollege Gabriel Jesus sagte kürzlich: „Natürlich ist er wichtig, nicht nur für uns als Mannschaft, sondern auch für unseren Fußball.“ Eine ganze Nation hofft, dass Neymar seinen Mittelfußbruch bis zur Fußball-WM rechtzeitig auskuriert hat.

Doch Neymar ist plötzlich ersetzbar

Die gewonnenen Testspiele gegen WM-Gastgeber Russland (3:0) und Deutschland (1:0)  sind aber der Beweis, dass es – im Gegensatz zu 2014 – auch ohne ihn funktioniert. „Der Trainer setzt auf die Mannschaft. Die Deutschen haben uns gezeigt: Aus einer Mannschaft wird man Weltmeister“, analysierte Giovane Elber im kicker.

Der Schlüssel zum brasilianischen Erfolg? Die Mannschaft steht bei der WM 2018 in Russland im Vordergrund und nicht einzelne Stars. Nicht einmal mehr Neymar.

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