DFB-Team bei der WM 2018 / WM 2018 in Russland

Vier Gründe für das deutsche WM-Aus nach der Vorrunde

Enttäuschung nach dem WM-Aus in der deutschen Mannschaft. (Foto: imago/Sven Simon)
Enttäuschung nach dem WM-Aus in der deutschen Mannschaft. (Foto: imago/Sven Simon)

Der Weltmeister ist draußen. Deutschland ist nach der Vorrunde bei der Fußball-Weltmeisterschaft ausgeschieden. Nach dem Spiel gegen Südkorea äußerten sich Spieler und Trainer selbstkritisch und ließen bereits mögliche Gründe anklingen.

Wer hätte das gedacht? Die deutsche Nationalmannschaft ist bei der WM 2018 ausgeschieden. Bereits nach drei Spielen und einem 02: gegen Südkorea ist Schluss. Das WM-Aus nach der Vorrunde.

Anzeige

Frust und Enttäuschung sind groß, bei Fans, Spielern und dem Trainer. Auf dem Rasen geweint haben aber nur die wenigsten, bei Marco Reus flossen die Tränen, bei Joshua Kimmich ebenfalls. War das frühe Aus erwartbar? Mutmaßungen gibt es viele, Gründe letztlich auch.

ZDF-Experte Christoph Kramer meinte etwa: „Man wird nicht das eine Hauptproblem sehen können, es gibt viele kleine. Jeder muss sich selbst hinterfragen.“ Kritikpunkte gibt es einige.

Grund 1: Fehlende Selbsteinschätzung

Toni Kroos bemängelte die Leistung seines Teams bereits nach dem Testspiel gegen Brasilien im März. Nach zu vielen vergebenen Chancen und Ballverlusten sagte er : „Dann muss man einfach ehrlich zugeben, dass wir auf gewissen Positionen nicht gut genug waren. Und viele ihre Chancen nicht genutzt haben.“

Dennoch ist der Weltmeister aufgetreten, als wäre das Gewinnen für einen Weltmeister selbstverständlich. Selbst die missglückten Testspiele, eine Niederlage gegen Österreich und ein wenig ruhmreicher Sieg gegen Saudi-Arabien, lösten keinen Weckruf aus. Joachim Löw sprach nach dem Aus von einer „gewissen Selbstherrlichkeit“, die nun „bestraft worden“ sei.

Anzeige

Grund 2: Riesiger Erfolgsdruck und mangelnde Motivation

Das Ziel war die Titelverteidigung. Ein zu hohes Ziel? „Das Nationaltrikot wiegt für jeden Spieler mehrere Tonnen, wie, wenn eine Last auf jedem Spieler liegt“, analysierte ZDF-Experte Oliver Kahn nach der 0:2-Pleite. Alles andere als der erneute Titelgewinn wäre eben schlechter gewesen als 2014.

Gleichzeitig wussten viele Spieler: Den WM-Titel von 2014 kann ihnen niemand mehr nehmen. „Es gibt da die Weltmeister, die das große Lebensziel erreicht haben, die dann einfach nicht mehr diese Leistungsbereitschaft haben“, so Kahn.

Grund 3: Fehlende Leistung auf dem Platz

Neben allem psychischen Druck, der in der Mannschaft geherrscht hat: Das DFB-Team hat einfach keine gute Leistung gezeigt. „Warum haben die Spieler mit solchen Hemmungen gespielt, mit Angst? Es bleibt ein Rätsel, wie man in einer phasenweise Apathie dieses Spiel hingenommen hat“, regte sich Kahn auf.

Die Analyse des Bundestrainers geht in eine ähnliche Richtung. „Wir haben es nicht auf den Platz gebracht, waren verkrampft, konnten keine Dynamik erreichen, um den Gegner zu vielen Fehlern zu zwingen. Die letzte Konsequenz und Entschlossenheit im Abschluss waren nicht da.“ Offensivkräfte wie Thomas Müller, Timo Werner, Marco Reus spielten zu unauffällig vor dem gegnerischen Strafraum, die Schnelligkeit und Spritzigkeit der vergangenen Turniere fehlte komplett.

Grund 4:  (Fehlende) Harmonie in der Mannschaft

Wie die Stimmung innerhalb der deutschen Nationalmannschaft ist, lässt sich nie genau sagen. Während sie allerdings 2014 im Campo Bahia prächtig gewesen sein soll, lassen sich in Russland an einigen Ecken Misstöne oder zumindest kleine „Störfeuer“ erkennen. „Es kamen viele ungute Dinge in die Mannschaft hinein“, sagte Kahn.

Im Mai machten Mesut Özil und Ilkay Gündogan durch ihr Treffen mit dem türkischen Präsidenten Erdogan negative Schlagzeilen. Lange war nicht klar, ob Manuel Neuer rechtzeitig fit wird. Gleichzeitig stellte sich die Frage nach der Hierarchie in der Mannschaft.

Legt Joachim Löw sein Traineramt nieder?

Führungsspieler wie Mats Hummels übten Kritik an den Mitspielern. Der Verteidiger legte direkt nach der Niederlage gegen Südkorea sogar noch einmal nach: „Wir haben einige Punkte, an denen wir ansetzen müssen, wenn wir uns wiedersehen. Welche, werde ich öffentlich nicht sagen.“ Klar ist damit aber: Es knirscht intern.

„Natürlich bin ich der Erste, der sich hinterfragen muss, der überlegen muss, welche Dinge schief liefen. Ich habe die Verantwortung“, sagte der Bundestrainer. Welche Konsequenzen er zieht, wird sich zeigen.

Lesen Sie hier: WM 2018: Diese WM-Prämie lässt Weltmeister Deutschland neidisch werden