WM-Play-offs

WM-Play-offs: Italien und die Dämonen von 1958

Bangen mit Italien um die WM 2018: Gianlugi Buffon und Leonardo Bonucci. (Foto: imago/Bildbyran)
Bangen mit Italien um die WM 2018: Gianlugi Buffon und Leonardo Bonucci. (Foto: imago/Bildbyran)

Italien verliert das Hinspiel der WM-Play-offs in Schweden und droht tatsächlich, die WM 2018 in Russland zu verpassen. Eine Weltmeisterschaft ohne Italien? Das gab es in der Historie erst ein einziges Mal. Damals begann das Desaster mit dem britischen Nebel.

Wilbur Cush brachte es nie zum Weltstar. Nach seiner Karriere als Fußballer wurde der Nordire Fleischer in Lurgan, einer kleinen tristen Kleinstadt im Herzen Nordirlands.

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Italien ist jener unbekannte Stürmer aber bestens im kollektiven Gedächtnis geblieben, als jener Mann, der der stolzen Fußball-Nation den Weg zur WM 1958 verbaute. Ob jetzt auch Gianluigi Buffon und Leonardo Bonucci die Anekdoten über Cush zu hören bekommen?

Verpasst Italien die WM 2018?

Das ist eher unwahrscheinlich. Doch wieder bangt Italien in diesem November um eine Weltmeisterschaft, die WM 2018 in Russland. Das 0:1 im Hinspiel in Solna in den WM-Play-offs gegen Schweden ist eine riesige Hypothek vor dem Rückspiel am Montag in Mailand (20.45 Uhr). Trifft ein Kollege von Emil Forsberg oder der Star von RB Leipzig selbst, müsste Italien in San Siro drei Tore fürs Weiterkommen erzielen.

Die Anspannung beim viermaligen Weltmeister ist beinahe greifbar. „Sie wollten eine Rauferei“, meinte etwa Abwehr-Haudegen Bonucci (AC Mailand) nach der Pleite nahe Stockholm angefressen. Buffon, die lebende Legende, könnte einen spektakulären Rekord verpassen. Der Torwart von Juventus Turin ist derzeit neben Weltmeister Lothar Matthäus der Spieler mit den meisten WM-Teilnahmen (je 5) – wäre Italien bei der WM 2018 dabei, er wäre alleiniger Rekordhalter.

„Es käme einer Apokalypse gleich“

Hätte, wäre, wenn. „Wenn wir die WM verpassen, käme das einer Apokalypse gleich“, hatte Italiens Verbandschef Carlo Tavecchio gesagt. Besagte Apokalypse ist plötzlich ein ganz reales Szenario.

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Italien ist raus, Nordirland jubelt sich zur WM 1958 - hier Siegtorschütze Wilbur Cush. (Foto: imago/United Archives)
Italien ist raus, Nordirland jubelt sich zur WM 1958 – hier Siegtorschütze Wilbur Cush. (Foto: imago/United Archives)

Bereits 1958 wurde diese „Apokalypse“ Realität. Damals war der seinerzeit zweimalige Weltmeister ein Schatten seiner selbst. Oder sollte man sagen, schon damals? Auch die kommende EM 1960 sollte die Squadra Azzurra verpassen. Das Debakel 1958 begann indes mit dem britischen Nebel.

Italien scheiterte an Nordirland

Zur Einordnung: Früher galt noch die Zwei-Punkte-Regel. Für jeden Sieg gab es zwei Pluspunkte, für jede Niederlage zwei Minuspunkte. Vor dem letzten Gruppenspiel führte Italien die Qualifikationsgruppe 8 in Europa mit 4:2-Punkten vor Nordirland (3:3-Punkte) an, Portugal (3:5-Punkte) war nach Hin- und Rückspielen bereits raus.

Das letzte Gruppenspiel in Belfast war also der Showdown. Es hatte etwas von Schicksal. Denn der Schiedsrichter hing wegen Nebels am Londoner Flughafen fest, kam nicht mehr rechtzeitig zum eigentlichen Spieltermin am 4. Dezember 1957. Das K.o.-Spiel musste verlegt werden – auf den 15. Januar 1958.

Buffon und Bonucci bangen

Es war letztlich der Tag von Wilbur Cush, der den italienischen Keeper Ottavio Bugatti mit einem Lupfer zum siegbringenden 2:1 überwand. Italien war raus. Erlebt die Squadra Azzurra um Buffon und Bonucci nun die Wiederholung? Die Spannung ist fast unmenschlich.

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