Spanien bei der WM 2018

Julen Lopetegui: Für Real-Madrid-Fans beging der Spanien-Trainer einen Affront

Mit Spanien bei der WM 2018: Julen Lopetegui, spanischer Nationaltrainer. (Foto: imago/DeFodi)
Mit Spanien bei der WM 2018: Julen Lopetegui, spanischer Nationaltrainer. (Foto: imago/DeFodi)

Julen Lopetegui spielt einst als Torhüter für Real Madrid, wechselt in der Primera Division dann aber zum Erzrivalen. Ein Umstand, dem mancher Fan dem spanischen Nationaltrainer übel nimmt. Bei der WM 2018 in Russland soll er „La Furia Roja“ zurück zu altem Ruhm führen. Dabei echauffiert er einen Star des FC Bayern.

Vorrunden-Aus bei der WM 2014; gescheitert im Achtelfinale der EM 2016. Der einstige Stolz? Verblasst! Nach den Rückschlägen der vergangenen Jahre war der spanischen Nationalmannschaft klar, dass es vor der WM 2018 in Russland eines Neuaufbaus bedurfte.

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Und wer sollte dafür besser geeignet sein als Julen Lopetegui. Jener Trainer, der die U19 und die U21 zwischen 2010 und 2014 jeweils zum Europameister gemacht hatte. Bei „La Furia Roja“ trieb er seit Juli 2016 den Verjüngungskurs bedingungslos voran – die-mannschaft.blog stellt den spanischen Nationaltrainer vor. 

Vom FC Porto zu „La Furia Roja“

Seine Trainer-Stationen: Als Spieler wechselte der frühere Torwart einst von Real Madrid zum Erzrivalen FC Barcelona, für manchen Fan ist sowas ein Affront. Die Königlichen erinnerten sich jedoch seiner Verdienste – und holten ihn zurück.

Zwischen 2006 und 2008 leitete Lopetegui die Scouting-Abteilung der Madrilenen, trainierte später Real Madrid B, die Talentschmiede, ehe er zum spanischen Verband und schließlich zur spanischen Nationalmannschaft der Herren wechselte.

Julen Lopetegui schützt spanischen Fußball mit Neuerung

Seine Fußball-Philosophie: Der heute 51-Jährige verändert den spanischen Fußball nicht grundlegend, sondern lässt sehr Spanisch spielen, mit taktisch markanten Nuancen. So kombiniert Lopetegui unbedingten Ballbesitz, beinahe mechanisches Kurzpassspiel und – hier die Veränderung – punktuelles Pressing miteinander.

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Just jenes Pressing ist kein Wesensmerkmal des spanischen Fußballs, macht diesen aber weniger angreifbar. Lopetegui setzte dabei auf eine Mischung an erwachsen gewordenen Talenten wie Thiago vom FC Bayern und Isco von Real Madrid, gepaart mit noch erfahreneren Etablierten wie Diego Costa und David Silva (beide Atlético Madrid).

Spanischer Nationaltrainer als Jungmenschenbegleiter

Seine Stärke (n): Der spanische Nationaltrainer ist ein Typ Jungmenschenbegleiter, wie es einmal der Coach des SC Freiburg, Christian Streich, zusammenfasste. Auch Lopetegui findet, formt und fördert junge Spieler – bis sie ihr maximales Niveau ausschöpfen.

Doch Lopetegui ist für spanische Verhältnisse gleichzeitig regelrecht zurückhaltend, beinahe demütig. „Wir haben gegen das beste Team gespielt. Sie haben den besten Kader, sind Weltmeister. Deswegen war das Spiel eine großartige Erfahrung“, meinte er nach dem Test gegen das DFB-Team (1:1) zur WM 2018 in Russland.

Umgekehrt hatten Bundestrainer Joachim Löw und der deutsche Abwehrchef Mats Hummels ebenso von der spanischen Fertigkeit geschwärmt, selbst unter höchstem Druck den Ball zu behaupten. Bescheidenheit bringt Respekt. Auch bei der Fußball-WM. Bei dieser trifft Spanien in WM-Gruppe B auf den Iran, Marokko und nicht zuletzt im ersten Highlight der WM 2018 auf Rivale und Europameister Portugal (Lesen Sie hier den kompletten WM-Spielplan).

Julen Lopetegui ist vergleichsweise unerfahren

Seine Schwäche (n): Wenn es eine gibt, dann wohl am ehesten noch die Unerfahrenheit des ehemaligen Jugendcoaches. Lopetegui hat noch nie bei einem ganz großen Turnier gecoacht.

Doch wie Spanien Weltmeister Deutschland im Test begegnete bewies, dass „La Furia Roja“ unter ihm bei der Fußball-WM wohl jedem Kontrahenten gewappnet sein wird. Erfahrung hin oder her.

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