DFB-Team bei der WM 2018

Nils Petersen über WM 2018: Ich bin kein Träumer

Kollegen im DFB-Team: Nils Petersen (li.) und Manuel Neuer. (Foto: imago/Sven Simon)
Kollegen im DFB-Team: Nils Petersen (li.) und Manuel Neuer. (Foto: imago/Sven Simon)

Nils Petersen wird an diesem Montag wohl von Joachim Löw aus dem WM-Kader gestrichen. Nach der Pleite des DFB-Teams in Österreich sprach der Torjäger des SC Freiburg mit uns im Mixed-Zone-Interview über sein Debüt, seinen Realismus und die Streichliste des Bundetrainers vor der Fußball-WM 2018.

Klagenfurt – Nils Petersen beeindruckt oft durch seine Selbstreflexion, gilt in der Bundesliga als ein Spieler, der mit offenen Augen durch das Geschäft geht.

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Doch: Beim 1:2 der deutschen Nationalmannschaft gegen Österreich am Wörthersee gab der Angreifer des SC Freiburg ein letztlich glanzloses A-Länderspiel-Debüt. die-mannschaft.blog sprach hinterher mit ihm in der Mixed Zone darüber, dass er wahrscheinlich nicht mit zur WM 2018 darf.

Herr Petersen, Debüt im DFB-Team – wie hat es sich angefühlt?
„Ich hatte ein bisschen Angst, dass das Wetter doch noch einen Strich durch die Rechnung macht. Ich bin wahnsinnig stolz, dass ich ein A-Länderspiel habe. Dass ich starten durfte, war für mich überraschend. Ich persönlich bin einer der Wenigen, die heute nicht ganz unzufrieden sind.“

Am Ende steht eine Niederlage. Woran hat es gelegen?
„In der ersten Halbzeit haben wir gute Aktionen gestartet, aber die Konter nicht ausgefahren. Dann reicht ein Standard, dass Österreich zurück ins Spiel kommt. Dann haben wir keine Lösungen mehr gefunden. Unsere schnellen Spieler konnten ihr Tempo nicht ausspielen. Es ist uns zu wenig eingefallen.“

Am Montag gibt Joachim Löw den finalen Kader bekannt. Haben Sie Sorgen, dass Sie nicht dazu gehören?
„Ich habe keinen Fingerzeig bekommen, das hat keiner bekommen. Man muss das Spiel analysieren, ob dieses noch in die Entscheidung miteinfließt. Ich bin Realist, habe hier mein erstes Spiel gemacht. Ich bin einer von sieben, acht Spielern, die auf der Liste stehen. Drei, vier müssen am Ende gehen. Ich hoffe, dass es andere sind.“

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Bleiben Sie selbst in so einer Drucksituation pragmatisch?
„Ich bin jemand, der versucht, nicht zu viel zu träumen. Sonst platzen Träume. Ich bin dankbar, traue mir zu, der Mannschaft zu helfen. Wenn ich nicht dabei bin, ist es genauso wie bei Julian Brandt keine Schande. Dann gehe ich erhobenen Hauptes.“

Manuel Neuer hat sein Comeback gegeben. Wie haben Sie ihn gesehen?
„Er hat es gut gemacht. Ich glaube, er hatte gefühlt die meisten Ballkontakte. Es war für ihn ein guter Test, obwohl die Bedingungen schwierig waren – wird das Spiel angepfiffen oder nicht? Ich habe auch gedacht: ‚Hoffentlich komme ich zum Einsatz und kann das Länderspiel nutzen‘. Er hat ein paar Chancen vereitelt, uns auch mal gerettet. Seine Präsenz ist für jeden Gegner unangenehm.“

Ist das was Anderes, wenn ein Neuer hinten drinsteht, als ein anderer Torwart?
„Wenn ein Trapp, ter Stegen oder Leno hinten drinstehen würden, würde ich mich genauso fühlen. Ich bin verwöhnt hier, darf mit den besten Torhütern Deutschlands trainieren. Ich hätte keine Sorge, stünde jemand anderes drin. Aber natürlich hat Manuel Neuer etwas Besonderes. Ich durfte ihn ja auch in München kennenlernen. Er hat gezeigt, dass er der beste Torhüter Deutschlands ist. Da gibt es auch kein Vorbeikommen. Das ist das Leid, dass Deutschland auf dieser Position so gut besetzt ist.“

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