DFB-Team bei der WM 2018

Fußball-WM 2018: Wie Joachim Löw den WM-Kader neu planen muss

Joachim Löw (li.) und Thomas Schneider - Boss und Assistent im DFB-Team. (imago/Moritz Müller)
Joachim Löw (li.) und Thomas Schneider - Boss und Assistent im DFB-Team. (imago/Moritz Müller)

Joachim Löw gerät vor der WM 2018 in Russland unter Druck. Die anderen Fußball-Nationen haben aufgeholt. Und: Das WM-Puzzle des Bundestrainers ist unvollständig. Spieler verletzen sich, andere holen plötzlich auf, wieder andere sind plötzlich Alternativen. die-mannschaft.blog erklärt das Löw-Dilemma.

Serge Gnabry und Lars Stindl? Verletzt – und keine Option mehr! Sven Ulreich? Hat sich mit seinem Riesen-Patzer beim FC Bayern selbst aus der Auswahl genommen!

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Manuel Neuer? Bleibt wohl bis Ultimo fraglich! Jerome Boateng? Ist ebenfalls bis Ultimo fraglich! Mario Götze und Marco Reus? Plötzlich wieder eine Option!

Joachim Löw ist zu beneiden

Joachim Löw ist momentan nun wirklich zu beneiden, für sein Luxusproblem namens WM-Kader, rekrutiert aus einem Luxus-DFB-Team. Vielmehr: Der Bundestrainer plant gerade sein Aufgebot für die WM 2018 in Russland neu. An diesem Montag wird er seinen vorläufigen WM-Kader mit 35 Spielern bekanntgeben.

Die Ära Joachim Löw bei der deutschen Nationalmannschaft ist begleitet von kurzfristigen Personalrochaden. Vor der WM 2014 hatte sich Reus im letzten Test gegen Armenien schwer verletzt. Fußball-Deutschland? Wurde Wochen später Weltmeister, holte den WM-Pokal.

Und nun? Unbemerkt von der Fußball-Öffentlichkeit tüftelt der Bundestrainer längst an seiner Truppe für die Mission Titelverteidigung bei der Fußball-WM 2018. die-mannschaft.blog erklärt Denkszenarien und Rochaden des Bundestrainers.

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Joachim Löw hofft auf Manuel Neuer

Fixpunkt Manuel Neuer: Der Bundestrainer geht fest davon aus, dass Neuer mit ins Trainingslager nach Eppan in Südtirol (26. Mai bis 9. Juni) fährt.

Vorvergangene Woche trainierte der Weltmeister-Keeper im Mannschaftstraining des FC Bayern mit, setzte dann wegen eines Knochen-Ödems wieder aus.

Ob eine WM-Teilnahme wirklich Sinn macht? Kult-Moderator Waldemar Hartmann sagte bei Markus Lanz im ZDF: „Wir haben mit Andre Ter Stegen einen Torhüter, der beim FC Barcelona Stammtorhüter ist, zuletzt auch Kapitän war.“

Und  Experte Stefan Effenberg mahnte: „Für Manuel Neuer wird es sehr, sehr schwierig. Ich hoffe auf seine Vernunft, das richtig einzuschätzen. Und nicht mit Gewalt dabei sein zu wollen. Wenn du so lange nicht im Spielrhythmus bist, ist es verdammt schwierig.“

Und Oliver Schmidtlein, einst Physio des FC Bayern und im DFB-Team, erklärte der Sport Bild: „Ich denke, dass er frühestens bei den K.o.-Spielen bei der WM eingreifen könnte.“ Warum beharrt der Bundestrainer bei seiner Auswahl an Top-Torhütern aber derart auf Neuer? Weil er Angst haben könnte, Deutschland fahre mit zu wenigen Führungsspielern zur WM 2018?

Wohl gesetzt für die Fußball-WM 2018: Mario Gomez vom VfB Stuttgart. (Foto: imago/Sportfoto Rudel)
Wohl gesetzt für die Fußball-WM 2018: Mario Gomez vom VfB Stuttgart. (Foto: imago/Sportfoto Rudel)

Mario Gomez glänzt beim VfB Stuttgart

Stammplatz für Mario Gomez: Zumindest im WM-Aufgebot. Zuletzt hat der Stürmer mit seinen Toren 94 und 95 Jürgen Klinsmann in der ewigen Torjäger-Bestenliste des VfB Stuttgart überholt.

„Zwei Tore hat er gemacht, aber sonst nicht viel“, meinte Trainer Julian Nagelsmann enttäuscht nach der Niederlage seiner TSG 1899 Hoffenheim.

Aber das ist eben die Aufgabe, die sich Löw von Gomez auch in der deutschen Nationalmannschaft erwartet: Tore zu machen, aus dem viel beschriebenen Nichts! Acht Tore in 16 Spielen für Stuttgart sind eine sehr gute Quote.

VfB-Kapitän Christian Gentner beschreibt die neue Stärke des 32-jährigen „Torero“: „Mario strahlt mittlerweile eine Gelassenheit aus, ohne seinen Ehrgeiz verloren zu haben.“ Kaum noch jemand zweifelt, dass Gomez diese auch bei der WM 2018 in Russland zeigen wird.

Jerome Boateng will unbedingt mit

Auch Jerome Boateng und Mesut Özil sind verletzt oder angeschlagen. Er hat eine strukturelle Verletzung der Adduktoren-Muskulatur – die Verletzung von Boateng klingt kompliziert, und gefährdet auch seine WM-Teilnahme.

„Der Bundestrainer weiß ganz genau, dass es mein Ziel und absolut realistisch ist, dass ich mitfahre“, meinte der 29-Jährige zuletzt – und postete bei Twitter prompt ein Video, dass ihn beim Krafttraining zeigt.

Bei Özil (FC Arsenal) sind dagegen offenbar die bekannten Rückenprobleme wieder aufgetreten. Englische Medien bezweifelten nach dem frühzeitigen WM-Aus des Spielmachers, dass dieser mit zur Fußball-WM 2018 fährt. Doch schnell wurde beschwichtigt: Die Verletzung sei nicht so schlimm, hieß es aus London.

Für Boateng und Özil gilt wohl wie für Neuer: Löw wird sie mit ins WM-Trainingslager nach Südtirol nehmen.

Große Chancen für Marco Reus und Mario Götze

Lars Stindl und Serge Gnabry raus! Mario Götze und Marco Reus rein? Wenn die Einen Platz machen müssen, rücken andere nach – das war im Fußball schon immer so.

Die Einen, das sind in diesem Fall Lars Stindl (Gladbach) und Serge Gnabry (1899 Hoffenheim). Stindl muss wegen einer schweren Kapsel- und Bandverletzung mit Verletzung der Syndesmose im linken Sprunggelenk ebenso für die Fußball-WM 2018 in Russland passen wie Gnabry wegen eines Muskelbündelrisses.

Plötzlich ist es nicht nur realistisch, sondern sehr wahrscheinlich, dass Reus und Götze mit dürfen – und damit zumindest doch zwei Spieler von Borussia Dortmund.

DFB-Stars beim BVB: Marco Reus (li.) und Mario Götze. (imago/Sven Simon)
DFB-Stars beim BVB: Marco Reus (li.) und Mario Götze. (imago/Sven Simon)

„Was vor vier Jahren war, ist komplett vergessen“, sagte Leader Sami Khedira im Interview mit der Bild am Sonntag mit Blick auf Götze, Siegtorschütze im WM-Finale 2014: „Mario arbeitet sehr hart, hat nach seiner Krankheit neuen Mut gepackt, ist wieder klarer. Aber die Konkurrenz schläft nicht, hat sich gut entwickelt.“

Doch die Konkurrenz verletzt sich eben. Reus dagegen hat in den letzten zehn Spielen seit seinem Comeback nach Kreuzbandriss in der Bundesliga sechs Tore geschossen. Der 28-Jährige versprüht Dynamik, reißt die Kollegen mit seinem Tempo und der Zielstrebigkeit in seinen Aktionen mit.

So könnte der Mann, der die letzten beiden großen Turniere verletzungsbedingt verpasste, sogar zur Alternative für die Startelf werden. Löw jedenfalls tüftelt längst an seinem modifizierten WM-Kader.

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